Sellin-PorträtWas uns umgibt wirkt auf uns, ob wir es wollen oder nicht. Besonders offen dafür sind wir Hochsensiblen. Manchmal gehen wir geradezu auf in dem was wir sehen, hören, spüren. Wir lassen uns ganz besonders leicht von dem, was uns umgibt, „anstecken“, wir färben ab. Wir werden gewissermaßen selbst zum Wahrgenommenen. Auf diese Weise erleben wir die Natur und die Kunst besonders intensiv. Doch wir sind nicht immer von Schönheit und Harmonie umgeben. Wenn wir nicht aufpassen, können wir von einer hässlichen oder feindlichen Umgebung so beeinflusst werden, dass wir sie passiv erleiden. Dann kann sie unser Denken, Fühlen, unsere körperliche Befindlichkeit und darüber hinaus sogar unser eigenes Verhalten bestimmen. Wir gleichen uns ihr an.

Es hilft, sich ab und zu die Frage zu stellen: Welche Wirkung hat das was ich wahrnehme auf mich? Erfreut es mich? Zieht es mich runter? Baut es mich auf oder schwächt es mich? Wenn ich das erkannt habe, kann ich einen Schritt weiter gehen und damit zum Beispiel meine Stimmungslage aktiv beeinflussen. Ich kann mich bewusst mit Dingen umgeben, die mich stärken und Freude machen. Besonders die Dinge, die uns tagtäglich und dauernd umgeben, wirken beständig auf uns. Was kann ich aktiv verändern an dem, was mich umgibt, dass es mich stärkt? Bin ich dazu in der Lage oder überfordert es mich? Sollte ich mich lieber einer anderen Umgebung mit angenehmeren Reizen aussetzen? – Doch nicht immer kann ich das eine oder das andere!

Dann bleibt mir nur noch eins: einen Schritt weiter zu gehen. Wenn ich den Zusammenhang zwischen dem Wahrgenommenen und meinem eigenen Befinden erkannt habe, kann ich mich von diesem Automatismus befreien. Ich lasse mich nicht mehr von dem was draußen ist beeinflussen, sondern mache mich unabhängig davon. Dann bestimme ich selbst meinen Zustand, denn ich weiß, dass es auch anderes gibt, Schönheit und Harmonie, ich habe ihre Wirkung erfahren. Ich kann damit geistig im Kontakt bleiben, auch wenn sie mir im Moment zu fehlen scheinen. Und dann stärkt sie mich auch, wenn ich mich in einer ganz anderen Umgebung befinde. – Dann bin ich innerlich frei!

Doch machen Sie den ersten Schritt zuerst. Er ist übrigens nie weit und liegt immer direkt vor Ihren Füßen! Betrachten Sie Ihre Wohnung einmal ganz bewusst: Wie wirken die Räume auf Sie? Was freut und stärkt Sie? Und was schwächt Sie? Vielleicht haben Sie lange nicht mehr bewusst hingeschaut, hingefühlt und hingespürt. Vielleicht war Ihre Wahrnehmung nur noch von Routine bestimmt. Doch auch dann wirkt all das auf Sie, denn Sie nehmen es täglich in sich auf: die Räume, die Möbel, die Bilder, der Blick aus dem Fester, die Kleidung, die Sie tragen, die Haltung, die Sie einnehmen…

Ihr Rolf Sellin