Sellin-PorträtVielleicht kennen Sie das? Sie kommen nach einem hektischen Arbeitstag überreizt nach so viel „Überstimulation“ nach Hause. „Endlich Ruhe!“ Das sagen Sie zu sich mit Erleichterung. Doch kaum haben Sie es sich daheim in der Stille eingerichtet, werden Sie allmählich nervös. So viel Ruhe, „Unterstimulation“, behagt Ihnen dann doch nicht. Und schon stellen Sie das Radio an oder den Fernseher. Sie gehen an den Computer, Sie müssen unbedingt sehen was es Neues gibt, ob Sie eine Mail erhalten haben, obwohl Sie nichts erwarten und selbst das doch eigentlich Zeit hätte. Angenommen, Sie leben alleine und Sie haben sich mit niemandem verabredet, dann laufen Sie Gefahr, dass Sie an genau dieser Stelle in die Falle der „Medien“ tappen.

Dass die Überstimulation bei der Arbeit müde gemacht hat, das ist Ihnen bewusst. Aber die meisten Menschen erkennen nicht, dass so ein Abend vor dem Fernseher oder beim Surfen am Computer ebenso überreizen und ähnlich anstrengend sein kann wie die Arbeit. Das merken Sie erst, wenn sie schlafen gehen oder am nächsten Morgen, wenn sie beim Aufstehen empfinden, dass sie heute noch weniger Energie haben als am Tag zuvor. Die Anstrengung bei der Arbeit und die oft nicht erkannte Anstrengung am Feierabend steigern sich gegenseitig. Besonders wenn die Art der jeweiligen Belastung bei beiden sehr ähnlich ist, wenn die eine Belastung keinen wirklichen Ausgleich zur anderen darstellt, können sie sich gefährlich aufschaukeln.

Der bewusste Umgang mit der Wahrnehmung führt allmählich dazu, dass die energetische Wirkung von allem was wir tun von uns erkannt und registriert wird. Der eigene energetische Zustand stabilisiert sich dadurch. Damit weitet sich zugleich auch die Spanne dessen, was wir als Hochsensible als Überstimulation und was wir als Unterstimulation ertragen können. Dann sind wir bald wieder in der Lage, die Belastungen im Berufsalltag besser zu verkraften und die Stille endlich als erholsam zu genießen.

Treten Sie einmal zur Seite oder „steigen Sie auf den Berg“ (wie in „Mein Kind ist hochsensibel – was tun?“ beschrieben) und schauen Sie sich selbst dabei zu, was Sie in Ihrer Freizeit machen und vor allem was das, was Sie machen, mit Ihnen macht. Entscheidend ist in meinen Augen die Energiebilanz bei allem. Fragen Sie sich, was es Ihnen gebracht hat: der Fernsehabend neulich oder der Spaziergang? Das Treffen mit Freunden oder der Chat? Die Wirkung auf Sie können selbstverständlich nur Sie selbst erkennen. – Übrigens: Was machen Sie heute Abend?

Manchmal kostet es allerdings ein wenig Überwindung und einen kleinen Energieeinsatz, um sich aktiv zu erholen und Energie zu gewinnen. Doch wo erhalten Sie eine höhere Rendite?

Ihr Rolf Sellin