Sellin-PorträtUnumgänglich ist die Methode „Bei sich bleiben im Kontakt“, wenn Sie im Gespräch Energieverluste vermeiden möchten. Sie können dazu alle Methoden aus meinen ersten beiden Büchern verwenden. Eine sehr einfache Aufgabenstellung, die jedoch gar nicht so leicht zu erfüllen ist! Es geht darum, sich selbst noch zu spüren, wenn man im Gespräch auf eine andere Person eingeht und sie verstehen möchte. Und so geht es – sehr vereinfacht: Sie bleiben mit sich selbst auch körperlich im Kontakt, während Sie zugleich im Kontakt mit Ihrem Gesprächspartner sind. Sie spüren zum Beispiel weiterhin die Wärme in Ihrem Bauch, Ihren Atem, ihre Füße, Ihre Haltung… Sie teilen also Ihre Aufmerksamkeit auf zwischen sich und Ihrem Gegenüber. – Für weniger sensible Menschen wäre das übrigens ganz selbstverständlich. Sie kennen es gar nicht anders.

Auch wenn das zuerst ziemlich schwierig erscheint, können Sie schon einmal auf eins achten: auf Ihre Körperhaltung. Hochsensible, die sich selbst im Gespräch verloren gehen, fallen dadurch auf, dass sie eine vornüber gebeugte, im wahrsten Sinne zugewandte Haltung zum Gesprächspartner einnehmen. Sie rutschen nicht nur energetisch rüber zu ihm, sondern neigen sich auch körperlich ihrem Gegenüber zu. Sie tendieren dazu, äußerlich und innerlich seine Position einzunehmen. – Und wie sitzt der Gesprächspartner? Neigt er sich auch so vor oder behält er seine aufrechte Haltung bei? Oder sitzt er zurückgelehnt da? Bleibt er bei sich? Und das während des ganzen Gesprächs? Hat er sich während des Gesprächs auch Ihnen zugewandt? Ist der Wechsel, wenn er denn überhaupt stattfindet, ausgewogen?

Ohne bewusste Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung bekommen Sie das freilich alles nicht mit. Klinken Sie sich während des Gesprächs ab und zu für einen ganz kurzen Moment aus und fragen Sie sich, wie Sie sitzen und korrigieren Sie Ihre Haltung immer wieder einmal. – Und vor allem seien Sie dabei sehr geduldig mit sich, wenn Sie es Ihnen nicht gleich gelingt! Es dauert gewöhnlich eine ganze Zeit, bis das zur Gewohnheit wird.

Wenn Gespräche nicht nur der gegenseitigen Vermittlung von Informationen dienen, sondern auch dem Austausch von Energie, dann sollte ein Ausgleich stattfinden, damit beide etwas davon haben, sonst profitiert nur einer davon. Dann geht der Kontakt meist zu Lasten des Hochsensiblen, der so begabt dafür ist, andere zu verstehen, ihnen Resonanz zu geben und sie zu bestärken. Fühlen Sie sich wiederholt ganz ausgelaugt nach intensiven Gesprächen, dann könnten Sie am Ende sogar zu dem verfehlten Schluss kommen, dass es Ihnen besser ginge, wenn Sie sich generell aus Kontakten zurückziehen würden. Von einem wirklich guten Gespräch profitieren beide: inhaltlich und vor allem auch energetisch. Beide haben Verständnis gefunden und haben am Ende mehr Energie als vor ihrer Begegnung. Und das Gute daran: Die Energie hat sich nicht nur addiert, sondern potenziert. Beide sind davon bereichert. Dieser gemeinsame Gewinn geht auf niemandes Kosten!

Es mag sein, dass Ihr Gesprächspartner sich immer so angenehm erleichtert und bestärkt fühlt, wenn er sich in einem Gespräch mit einem Hochsensiblen über das was ihn bedrückt einmal so recht auslassen konnte, denn niemand kann so gut zuhören wie ein Hochsensibler. Darauf achten, dass Sie dabei nicht zu kurz kommen, müssen Sie übrigens selbst! Zum Beispiel darauf, dass Sie im Gespräch Ihre Energie nicht verlieren oder dass Sie mit Ihren eigenen Themen ebenfalls Raum und Gehör finden. Das können Sie nur selbst steuern, denn Ihr Gegenüber hat von all diesen Zusammenhängen wahrscheinlich gar keine Ahnung.

Ihr Rolf Sellin