Sellin-PorträtManchmal haben wir uns damals als Schüler an einem klitzekleinen Zettel festgehalten. Bei uns im Norden nannten wir ihn Schummelzettel, im Süden heißt er Spickzettel. Manchmal war er sogar ganz papierlos: ein paar Formeln vor der Mathearbeit in die Handfläche geschrieben. Übrigens wurde er manchmal nicht einmal benutzt, er gab dem Schüler trotzdem ein Gefühl der Sicherheit, falls er vor lauter Prüfungsangst einmal vergessen haben sollte, was er zuvor gelernt hatte. Im Grunde war der Spickzettel sogar so etwas wie eine Form von Selbstvergewisserung zur Stressprophylaxe.

Geht es Ihnen auch so, dass Sie manchmal vergessen haben, was Sie alles wissen? Ich meine nicht mathematische Formeln oder schwierige Vokabeln. Ich meine, was Sie alles gelernt haben oder selbst erkannt und sich erarbeitet haben, und das Ihnen in Notfällen, in Krisen oder bei Stress helfen könnte, wenn Sie es tatsächlich brauchen. Denn zum Beispiel im Stress fallen Ihnen ausgerechnet alle die schönen Methoden zum Stressabbau nicht ein, weil Ihr Gehirn dann anders arbeitet als im Normalzustand! Erst später, wenn der Stress vorbei ist, wissen Sie es wieder, womit Sie Ihre Situation hätten verbessern können.

Wie wäre es damit, sich einen Spickzettel zu schreiben, auf dem all die hilfreichen Methoden kurz und stichwortartig erwähnt werden. Vielleicht brauchen Sie das kleine Stück Papier sogar in dreifacher Ausfertigung: einen für die Schreibtischschublade mit den persönlichen Habseligkeiten am Arbeitsplatz, noch einen für den Medizinschrank mit den Kopfschmerztabletten und einen dritten für das Fach, in dem Sie die Schokolade oder den Cognac für die besonderen Situationen des Lebens deponieren. Dann hätten Sie nicht nur wirksame Methoden parat, sondern zu Pillen, Kalorien oder Promille obendrein noch eine Alternative!

Und noch etwas: So ein Zettel wird mit der Zeit sogar immer wertvoller. Er erinnert Sie auch daran, mit welchen Methoden Sie sich in welchen heiklen Situationen schon einmal selbst wirksam geholfen haben.