ROLF SELLIN

Hochsensibel

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Bei sich bleiben im Gespräch und Energieverluste vermeiden

Sellin-PorträtUnumgänglich ist die Methode „Bei sich bleiben im Kontakt“, wenn Sie im Gespräch Energieverluste vermeiden möchten. Sie können dazu alle Methoden aus meinen ersten beiden Büchern verwenden. Eine sehr einfache Aufgabenstellung, die jedoch gar nicht so leicht zu erfüllen ist! Es geht darum, sich selbst noch zu spüren, wenn man im Gespräch auf eine andere Person eingeht und sie verstehen möchte. Und so geht es – sehr vereinfacht: Sie bleiben mit sich selbst auch körperlich im Kontakt, während Sie zugleich im Kontakt mit Ihrem Gesprächspartner sind. Sie spüren zum Beispiel weiterhin die Wärme in Ihrem Bauch, Ihren Atem, ihre Füße, Ihre Haltung… Sie teilen also Ihre Aufmerksamkeit auf zwischen sich und Ihrem Gegenüber. – Für weniger sensible Menschen wäre das übrigens ganz selbstverständlich. Sie kennen es gar nicht anders.

Auch wenn das zuerst ziemlich schwierig erscheint, können Sie schon einmal auf eins achten: auf Ihre Körperhaltung. Hochsensible, die sich selbst im Gespräch verloren gehen, fallen dadurch auf, dass sie eine vornüber gebeugte, im wahrsten Sinne zugewandte Haltung zum Gesprächspartner einnehmen. Sie rutschen nicht nur energetisch rüber zu ihm, sondern neigen sich auch körperlich ihrem Gegenüber zu. Sie tendieren dazu, äußerlich und innerlich seine Position einzunehmen. – Und wie sitzt der Gesprächspartner? Neigt er sich auch so vor oder behält er seine aufrechte Haltung bei? Oder sitzt er zurückgelehnt da? Bleibt er bei sich? Und das während des ganzen Gesprächs? Hat er sich während des Gesprächs auch Ihnen zugewandt? Ist der Wechsel, wenn er denn überhaupt stattfindet, ausgewogen?

Ohne bewusste Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung bekommen Sie das freilich alles nicht mit. Klinken Sie sich während des Gesprächs ab und zu für einen ganz kurzen Moment aus und fragen Sie sich, wie Sie sitzen und korrigieren Sie Ihre Haltung immer wieder einmal. – Und vor allem seien Sie dabei sehr geduldig mit sich, wenn Sie es Ihnen nicht gleich gelingt! Es dauert gewöhnlich eine ganze Zeit, bis das zur Gewohnheit wird.

Wenn Gespräche nicht nur der gegenseitigen Vermittlung von Informationen dienen, sondern auch dem Austausch von Energie, dann sollte ein Ausgleich stattfinden, damit beide etwas davon haben, sonst profitiert nur einer davon. Dann geht der Kontakt meist zu Lasten des Hochsensiblen, der so begabt dafür ist, andere zu verstehen, ihnen Resonanz zu geben und sie zu bestärken. Fühlen Sie sich wiederholt ganz ausgelaugt nach intensiven Gesprächen, dann könnten Sie am Ende sogar zu dem verfehlten Schluss kommen, dass es Ihnen besser ginge, wenn Sie sich generell aus Kontakten zurückziehen würden. Von einem wirklich guten Gespräch profitieren beide: inhaltlich und vor allem auch energetisch. Beide haben Verständnis gefunden und haben am Ende mehr Energie als vor ihrer Begegnung. Und das Gute daran: Die Energie hat sich nicht nur addiert, sondern potenziert. Beide sind davon bereichert. Dieser gemeinsame Gewinn geht auf niemandes Kosten!

Es mag sein, dass Ihr Gesprächspartner sich immer so angenehm erleichtert und bestärkt fühlt, wenn er sich in einem Gespräch mit einem Hochsensiblen über das was ihn bedrückt einmal so recht auslassen konnte, denn niemand kann so gut zuhören wie ein Hochsensibler. Darauf achten, dass Sie dabei nicht zu kurz kommen, müssen Sie übrigens selbst! Zum Beispiel darauf, dass Sie im Gespräch Ihre Energie nicht verlieren oder dass Sie mit Ihren eigenen Themen ebenfalls Raum und Gehör finden. Das können Sie nur selbst steuern, denn Ihr Gegenüber hat von all diesen Zusammenhängen wahrscheinlich gar keine Ahnung.

Ihr Rolf Sellin

Die geringe Trennschärfe

Sellin-PorträtViele Hochsensible berichten davon, dass sie sich auch in einer akustischen Hinsicht offensichtlich von ihren Mitmenschen unterscheiden. Sie hören die Gespräch an den Nebentischen im Café fast genau so deutlich oder undeutlich wie das, was an ihrem Tisch gesprochen wird. Die meisten Hochsensiblen, mit denen ich darüber gesprochen habe, fehlt es an der akustischen Trennschärfe. Dass wir damit geeignete Bewerber für den Beruf eines Detektivs oder Spitzels wären, ist sicher nur ein schwacher Trost angesichts dieses Mangels. Denn das Gespräch mit Freunden im Café kann für uns dadurch seine Leichtigkeit verlieren, weil unsere Ohren sich leider nicht von selbst auf das beschränken, was tatsächlich für uns gemeint ist. Also versucht mancher Hochsensible sich auf seine eigene Gesprächsrunde zu konzentrieren, was die Geselligkeit auf die Dauer zu einer Anstrengung machen kann.

Und wie wirkt sich dieses Bemühen wiederum aus? Betrachten Sie sich selbst einmal aus innerer räumlicher Distanz dabei: Wie sitzen Sie da? Wie genau strengen Sie sich an? Glauben Sie, tatsächlich alles exakt mitbekommen zu müssen, jedes Wort und jeden Blick? Selbst noch die Details? Und glauben Sie wirklich, Sie müssten wirklich alle Äußerungen mit innerer Bewegung und Ihrem Minenspiel untermalen und auf alles mit derselben Intensität eingehen, über die wir Hochsensiblen verfügen? Müssen Sie tatsächlich alles miterleben und mitfühlen? – Auf was könnten Sie alles verzichten, damit Sie nach dem Gespräch nicht so ausgelaugt sind? Denn der unnötige Energieverlust könnte sich auf die Dauer so auswirken, dass Sie sich aus Kontakten immer mehr zurückziehen, wie es bei vielen Hochsensiblen nach der Lebensmitte zu beobachten ist, weil sie das Zusammensein mit anderen als zu anstrengend erachten?

Nicht alles genau wahrnehmen zu wollen, ist ein erster Schritt, denn selbst in der Freizeit wollen wir Hochsensiblen alles so vollkommen machen. Da hilft es, unterscheiden zu lernen was wichtig ist und was nicht, wann wir uns getrost zwischendurch einmal zurücklehnen und entspannen können und wann unsere Aufmerksamkeit tatsächlich gefragt ist. Allein die Änderung der inneren Haltung kann uns da helfen. Manch einer entdeckt auch, dass er sich in einer Art von angestrengter Alarmbereitschaft begibt, wenn er mit anderen zusammen kommt, weil er irgendwann einmal schlechte Erfahrungen mit Gruppen gemacht hat. Stellen Sie sich dann die Frage, ob Sie in dieser Runde den Alarmzustand aus einer früheren Zeit einmal aufheben können.

Gut entspannen kann sich ein Hochsensibler zwischendurch auch einmal, wenn er seiner Tendenz für einige Momente einmal bewusst nachgibt, nämlich überall und nirgends zu sein, wenn er sich gewissermaßen auflöst im Raum, und das mit voller Absicht. Hochsensible können das gewöhnlich sehr gut. Diese Fähigkeit können wir auch einmal zu unserem Wohl einsetzen. Danach kommen wir dann wie von einem kleinen Segeltörn entspannt wieder zurück zu uns selbst, an den Platz, auf dem wir sitzen und in unsere Gesprächsrunde.

Und worum geht es in erster Linie in Gesprächen mit Freunden? Ist der Austausch von Worten und Informationen tatsächlich die Hauptsache? Oder geht es um Resonanz, um den gegenseitigen Austausch von Sympathie und Energie, der belebend wirkt und bei allen Beteiligten zu einem Zuwachs an Energie führen kann, vorausgesetzt, sie strengen sich nicht so sehr dabei an…? Genießen Sie es also ganz bewusst, dazuzugehören, Freunde und Bekannte zu haben, mit denen Sie nicht nur Worte und Informationen austauschen, sondern auch Sympathie, Wertschätzung und Resonanz. Baden Sie dort an Ihrem Tisch darin. Es ist eine kostbare Essenz!

Ihr Rolf Sellin

Wahrnehmen ohne zu bewerten?

Sellin-PorträtWahrnehmung ist der Schlüssel zu allem. Was wir nicht wahrgenommen haben ist uns nicht bekannt, wir wissen nichts davon. Wahrnehmung ist unser einziger Zugang zur Welt – zu unserer, denn andere nehmen vielleicht etwas anderes wahr als wir. Und Wahrnehmung ist sogar der Zugang zu uns selbst. Es lohnt sich also, genau auf den Vorgang der Wahrnehmung zu achten. Das können Sie ganz gemütlich und entspannt, zum Beispiel wenn Sie im Straßencafé sitzen oder auf einer Parkbank. Widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit Ihrer eigenen Wahrnehmung.

Sie nehmen etwas wahr, zum Beispiel einen Passanten, und schon meldet sich etwas in Ihrem Kopf. Es sind Bewertungen, die Sie gar nicht übergehen können, denn sie machen sich so breit und drängen sich in den Vordergrund. Bewertungen von allem und jedem! Da ist Ihnen zum Beispiel jemand zu dünn oder zu dick (was freilich häufiger vorkommt). Schnell tauchen bewertende Kommentare auf. Ausgesprochen wäre Ihnen die eine oder andere davon vielleicht sogar peinlich. So etwas sagt man doch nicht! Und manche sind auch politisch nicht ganz korrekt. Wenn Sie heute einmal bewusst wahrnehmen und darauf achten, was in Ihrem Bewusstsein vor sich geht, dann erschrecken Sie vielleicht darüber, denn längst denken Sie anders, Sie sind doch eigentlich viel aufgeklärter und toleranter. Doch Sie bewerten immer noch so wie damals, auch wenn Sie es vielleicht gar nicht wollen, nach Kriterien, zu denen Sie bewusst heute längst nicht mehr stehen.

In der Tat geht Wahrnehmung organisch so vonstatten, dass jede Information erst einmal bewertet wird. Erst dann gelangt die Information in die Regionen unseres Gehirns, in denen wir über das Wahrgenommene nachdenken und reflektieren können.

Wahrzunehmen ohne zu bewerten ist eine Leistung. Eine gute Übung, um sich sein Bewerten bewusst zu machen und es noch mehr zu weiten. Doch lassen Sie sich von Ihren Erkenntnissen nicht herunterziehen! – Sie können es auch so sehen: Sie haben sich entwickelt. Und es braucht eben etwas länger, bis Ihre neuen Werte, zu denen Sie heute stehen können, sich verankert haben. Also bewerten Sie sich selbst nicht gleich nach Ihren alten Maßstäben, sondern seien Sie ebenso tolerant zu sich, wie Sie zu den Mitmenschen sein wollen. – Abstand zu seinen alten Bewertungen erhält man vor allem dadurch, dass man seine eigene Wahrnehmung und alles was daraus folgt wahrnimmt. So entsteht allmählich das bewusste Wahrnehmen.

Ihr Rolf Sellin

 

Zwischen zu viel und zu wenig Reizen

Sellin-PorträtVielleicht kennen Sie das? Sie kommen nach einem hektischen Arbeitstag überreizt nach so viel „Überstimulation“ nach Hause. „Endlich Ruhe!“ Das sagen Sie zu sich mit Erleichterung. Doch kaum haben Sie es sich daheim in der Stille eingerichtet, werden Sie allmählich nervös. So viel Ruhe, „Unterstimulation“, behagt Ihnen dann doch nicht. Und schon stellen Sie das Radio an oder den Fernseher. Sie gehen an den Computer, Sie müssen unbedingt sehen was es Neues gibt, ob Sie eine Mail erhalten haben, obwohl Sie nichts erwarten und selbst das doch eigentlich Zeit hätte. Angenommen, Sie leben alleine und Sie haben sich mit niemandem verabredet, dann laufen Sie Gefahr, dass Sie an genau dieser Stelle in die Falle der „Medien“ tappen.

Dass die Überstimulation bei der Arbeit müde gemacht hat, das ist Ihnen bewusst. Aber die meisten Menschen erkennen nicht, dass so ein Abend vor dem Fernseher oder beim Surfen am Computer ebenso überreizen und ähnlich anstrengend sein kann wie die Arbeit. Das merken Sie erst, wenn sie schlafen gehen oder am nächsten Morgen, wenn sie beim Aufstehen empfinden, dass sie heute noch weniger Energie haben als am Tag zuvor. Die Anstrengung bei der Arbeit und die oft nicht erkannte Anstrengung am Feierabend steigern sich gegenseitig. Besonders wenn die Art der jeweiligen Belastung bei beiden sehr ähnlich ist, wenn die eine Belastung keinen wirklichen Ausgleich zur anderen darstellt, können sie sich gefährlich aufschaukeln.

Der bewusste Umgang mit der Wahrnehmung führt allmählich dazu, dass die energetische Wirkung von allem was wir tun von uns erkannt und registriert wird. Der eigene energetische Zustand stabilisiert sich dadurch. Damit weitet sich zugleich auch die Spanne dessen, was wir als Hochsensible als Überstimulation und was wir als Unterstimulation ertragen können. Dann sind wir bald wieder in der Lage, die Belastungen im Berufsalltag besser zu verkraften und die Stille endlich als erholsam zu genießen.

Treten Sie einmal zur Seite oder „steigen Sie auf den Berg“ (wie in „Mein Kind ist hochsensibel – was tun?“ beschrieben) und schauen Sie sich selbst dabei zu, was Sie in Ihrer Freizeit machen und vor allem was das, was Sie machen, mit Ihnen macht. Entscheidend ist in meinen Augen die Energiebilanz bei allem. Fragen Sie sich, was es Ihnen gebracht hat: der Fernsehabend neulich oder der Spaziergang? Das Treffen mit Freunden oder der Chat? Die Wirkung auf Sie können selbstverständlich nur Sie selbst erkennen. – Übrigens: Was machen Sie heute Abend?

Manchmal kostet es allerdings ein wenig Überwindung und einen kleinen Energieeinsatz, um sich aktiv zu erholen und Energie zu gewinnen. Doch wo erhalten Sie eine höhere Rendite?

Ihr Rolf Sellin

Welche Wirkung hat das was ich wahrnehme auf mich?

Sellin-PorträtWas uns umgibt wirkt auf uns, ob wir es wollen oder nicht. Besonders offen dafür sind wir Hochsensiblen. Manchmal gehen wir geradezu auf in dem was wir sehen, hören, spüren. Wir lassen uns ganz besonders leicht von dem, was uns umgibt, „anstecken“, wir färben ab. Wir werden gewissermaßen selbst zum Wahrgenommenen. Auf diese Weise erleben wir die Natur und die Kunst besonders intensiv. Doch wir sind nicht immer von Schönheit und Harmonie umgeben. Wenn wir nicht aufpassen, können wir von einer hässlichen oder feindlichen Umgebung so beeinflusst werden, dass wir sie passiv erleiden. Dann kann sie unser Denken, Fühlen, unsere körperliche Befindlichkeit und darüber hinaus sogar unser eigenes Verhalten bestimmen. Wir gleichen uns ihr an.

Es hilft, sich ab und zu die Frage zu stellen: Welche Wirkung hat das was ich wahrnehme auf mich? Erfreut es mich? Zieht es mich runter? Baut es mich auf oder schwächt es mich? Wenn ich das erkannt habe, kann ich einen Schritt weiter gehen und damit zum Beispiel meine Stimmungslage aktiv beeinflussen. Ich kann mich bewusst mit Dingen umgeben, die mich stärken und Freude machen. Besonders die Dinge, die uns tagtäglich und dauernd umgeben, wirken beständig auf uns. Was kann ich aktiv verändern an dem, was mich umgibt, dass es mich stärkt? Bin ich dazu in der Lage oder überfordert es mich? Sollte ich mich lieber einer anderen Umgebung mit angenehmeren Reizen aussetzen? – Doch nicht immer kann ich das eine oder das andere!

Dann bleibt mir nur noch eins: einen Schritt weiter zu gehen. Wenn ich den Zusammenhang zwischen dem Wahrgenommenen und meinem eigenen Befinden erkannt habe, kann ich mich von diesem Automatismus befreien. Ich lasse mich nicht mehr von dem was draußen ist beeinflussen, sondern mache mich unabhängig davon. Dann bestimme ich selbst meinen Zustand, denn ich weiß, dass es auch anderes gibt, Schönheit und Harmonie, ich habe ihre Wirkung erfahren. Ich kann damit geistig im Kontakt bleiben, auch wenn sie mir im Moment zu fehlen scheinen. Und dann stärkt sie mich auch, wenn ich mich in einer ganz anderen Umgebung befinde. – Dann bin ich innerlich frei!

Doch machen Sie den ersten Schritt zuerst. Er ist übrigens nie weit und liegt immer direkt vor Ihren Füßen! Betrachten Sie Ihre Wohnung einmal ganz bewusst: Wie wirken die Räume auf Sie? Was freut und stärkt Sie? Und was schwächt Sie? Vielleicht haben Sie lange nicht mehr bewusst hingeschaut, hingefühlt und hingespürt. Vielleicht war Ihre Wahrnehmung nur noch von Routine bestimmt. Doch auch dann wirkt all das auf Sie, denn Sie nehmen es täglich in sich auf: die Räume, die Möbel, die Bilder, der Blick aus dem Fester, die Kleidung, die Sie tragen, die Haltung, die Sie einnehmen…

Ihr Rolf Sellin

 

Einen Impuls nutzen

Sellin-PorträtEigentlich wollte ich heute Morgen einen Text für meinen Blog schreiben. Es wird langsam mal wieder Zeit. Doch dann sah ich, als ich meinen Arbeitsraum betrat, dass in einem Fach des Regals ein Stapel mit Zeitschriften, Prospekten und Ausdrucken allmählich an seine Grenze stieß. Und plötzlich fange ich unversehens an aufzuräumen. So spontan geht es ganz schnell und mühelos, viel leichter als wenn ich mir „Regalfach aufräumen“ in den Kalender geschrieben hätte. Es ging so: das Regalfach erblicken, den Impuls verspüren, den damit verbundenen Energieschub nutzen und sofort anfangen.

Und jetzt habe ich auch gleich ein Thema für meinen Blog: Ich schreibe über das spontane Aufräumen dieses Faches, denn Ordnung ist für Hochsensible ein wichtiges Thema. In einer Unordnung gehen wir schnell unter. Wir brauchen Ordnung, um uns nicht überreizt zu fühlen. Zugleich fällt es den meisten von uns jedoch schwerer als anderen, aufzuräumen. Wir neigen dazu, uns in Details zu verlieren, weil wir versuchen, es besonders gut zu machen, auch dabei allen und allem gerecht zu werden. Und schon kann es entsprechend länger dauern. Doch so ging es ganz leicht.

Übrigens: Wie geht es Ihnen gerade? Verspüren Sie jetzt vielleicht auch so etwas wie einen Impuls, auch wenn er noch so klein ist? Und vielleicht sogar einen Impuls, aufzuräumen? – Dann können Sie eine wunderbare Fähigkeit von uns Hochsensiblen nutzen, nämlich die, uns in andere hineinversetzen zu können, die Befindlichkeiten anderer zu übernehmen, gewissermaßen abzufärben. – Auch damit kann man bewusst und konstruktiv umgehen: In wen oder was möchte ich mich gerade hineinversetzen? Was möchte ich von anderen übernehmen? Was möchte ich in mir verstärken, das auch in mir vorhanden ist, doch noch ein wenig Unterstützung braucht? Vielleicht einen kleinen Impuls, damit ich leichter anfangen kann?

Ihr Rolf Sellin

Ackergauchheil

Sellin-PorträtAb und zu werde ich von anderen Hochsensiblen oder auch von Zweiflern, die selbst nicht hochsensibel sind, gefragt, wann und woran ich es denn zum ersten Male gemerkt hätte, dass ich hochsensibel bin. Auch wenn mir der Begriff noch bis vor wenigen Jahren gefehlt hatte, habe ich schon früh erfahren, dass ich anderes und anders wahrnahm.

Ich muss vier oder höchstens fünf Jahre alt gewesen sein, da hatte ich mir in einer abgelegenen Ecke des großen Pfarrgartens ein ganz kleines Gärtchen angelegt. Im Straßengraben fand ich dafür die passenden Pflanzen. Eine klitzekleine unscheinbare Blume mit wunderschönen ziegelroten Blüten hatte es mir besonders angetan: Ackergauchheil. Die anderen Kinder aus dem Dorf konnten ihre Schönheit nicht erkennen und lachten mich aus. In ihren Augen handelte es sich um ein Unkraut, das sie ebenso wie meine anderen Pflänzchen ausrupfen wollten – so wie es sich ihrer Meinung nach gehörte. Ich stellte mich vor mein bescheidenes Gärtchen und verteidigte mein so perfekt schönes Blümlein. – Da war mir plötzlich bewusst, dass sie nicht alles sahen was ich erkennen konnte. Es gab also zusätzlich zu dem in der Welt, das die anderen wahrnahmen und selbstverständlich auch ich, noch Dinge in der Welt, zu denen ich Zugang hatte und die mich bewegten. In diesem Fall war es die unscheinbare Schönheit einer kleinen Pflanze, das andere Mal die verzweifelte Situation eines anderen Kindes oder Leid und Trauer eines Tieres.

Diese Erkenntnis tat weh, denn ich konnte weder die Freude über das eine noch das Leid über so viel anderes, mit den Spielkameraden teilen. Zugleich wusste ich, dass ich damit etwas besaß, das für mich sehr kostbar war. Noch heute bin ich darüber froh, dass ich mich schon damals im Garten dafür entschieden hatte, mir mein Gärtchen nicht zerstören zu lassen: Ich hatte mich vor mein Pflänzchen gestellt und es verteidigt!

Ihr Rolf Sellin

Hochsensible Kinder

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In seinem neuen Buch „Mein Kind ist hochsensibel – was tun?“ zeigt Rolf Sellin, wie Eltern, Erzieher und Lehrer gut mit hochsensiblen Kindern umgehen können. Er beschreibt die Besonderheiten und die spezielle Situation hochsensibler Kinder, um ein grundsätzliches Verständnis ihrer Wesensart zu wecken. Sein Ansatz ist es, eine Lösung für das alte Dilemma zu finden: einerseits Abhärten für die Welt und andererseits vergebliche Versuche, das Kind vor der Welt bewahren zu wollen. Die Lösung liegt darin, die Hochsensibilität als eigentliche Stärke des Kindes zu erkennen. Es gilt, die damit verbundenen Fähigkeiten zu erhalten und sie bewusst und konstruktiv zur Entfaltung einzusetzen. Denn ebenso wie für Erwachsene gilt für Kinder: Hochsensibilität wird erst dann zum Problem des Kindes, wenn seine Wesensart nicht angenommen wird und es versucht, nicht so zu sein, wie es ist oder seine sensible Wahrnehmung unterdrückt. Dann wird die Hochsensibilität zum Störfaktor im Leben. Dabei verstärken hochsensible Erwachsene, Eltern und Erzieher oftmals die Situation, wenn sie selbst versuchen, nicht hochsensibel zu sein. Vor allem dann, wenn sie etwas anderes leben als sie predigen und dadurch Doppelbotschaften geben. Oder wenn sie ständig zwischen der Abhärtung und dem Überbehüten hin- und herschwanken und nicht in der Lage sind, klare Grenzen zu setzen. Sellins Buch ist deshalb auch ein Buch über hochsensible Erwachsene, die ihre eigene Kindheit besser verstehen und verarbeiten wollen, damit sie ihre Sensibilität konstruktiv vorleben können und eigene Vertracktheiten nicht an die nächste Generation weitergeben.

Posaunenengel im Landeanflug

Sellin-Porträt

Für den Flug von Rom nach Stuttgart habe ich mir einen Gangplatz reservieren lassen. In der Reihe auf der anderen Seite des Ganges sitzt eine Familie: der ein wenig zur Beleibtheit neigende Vater, sein kleiner Sohn, vielleicht knapp drei Jahre alt, der ihm unverkennbar nachkommt, am Fester die Mutter. Mit ihrem besorgten Gesichtsausdruck und ihrer betonten Fürsorglichkeit und ihren Reaktionen auf alle Regungen des Kleinen erinnert sie mich an viele meiner hochsensiblen Seminarteilnehmerinnen. Der Kleine genießt das Abenteuer des Fluges und die Aufmerksamkeit seiner Eltern und vor allem die der Stewardess, die ihm ein kleines Spielzeugflugzeug und Kekse bringt: Er strahlt wie ein Posaunenengelchen in einem rosa und hellblau ausgemalten Barockhimmel.

Wir nähern uns Stuttgart und fliegen allmählich tiefer. Das Starten hatte dem Kleinen noch gefallen, doch jetzt wird er unruhig da und bekommt Angst, er beginnt zu weinen. Vielleicht spürt er den Druckabfall in seinen Ohren. Sein Weinen wird lauter, seine Mutter reagiert bekümmert und hilflos. Sie versucht ihn zum Schweigen zu bringen und redet auf ihn ein, doch Ruhe zu geben, damit er nicht die anderen Fluggäste stört. Der Vater übertönt sie: Er wäre doch schon ein großer Junge und solle das Weinen lassen. Jetzt kommt die Mutter mit Argumenten, dass doch alles in Ordnung wäre. Der Vater verspricht ihm eine Belohnung, wenn er endlich aufhört und Ruhe gibt, und versucht, ihn damit abzulenken. Beide Eltern verstärken ihre Bemühungen und reden gleichzeitig auf ihn ein. Vergeblich, Angst, Unruhe und Weinen werden stärker.

Wie einfach wäre alles gewesen: Wenn Vater oder Mutter ihren kleinen Trompetenengel einfach in die Arme genommen hätten. Wenn sie ihm seine Unsicherheit und sein Weinen zugestanden hätten. Wenn sie einfach nur ruhig dagewesen wären für ihn. Wenn er bei ihnen Rückhalt und Geborgenheit hätte spüren können. Wenn sich ihre eigene Besorgtheit nicht mit der Angst des Kleinen aufgeschaukelt hätte! Wie so viele Eltern, die den Ängsten ihrer Kinder mit Argumenten oder Aktionismus begegnen, haben sie ihr aus dem Himmel fallendes Engelchen nicht auffangen können. Und so geht es in vielen Familien von Hochsensiblen!

Was hätten Sie sich damals als Kind gewünscht? Was hätte Sie beruhigt? – Sind Sie in der Lage, sich genau das heute selbst zu geben?

Ihr Rolf Sellin

Das Bärenfell – die energetische Abgrenzung

Die folgende Version der energetischen Abgrenzung ist für diejenigen, die sich mit der Vorstellung einer Lebensenergie schwertun, oft leichter eingängig. Sie ist jedoch genauso wirksam wie Membran oder Schutzschild und eignet sich auch für Kinder. Sie stellen sich dabei vor, Sie ziehen ein Bärenfell an. Selbstverständlich muss das Fell nicht von einem echten Bären stammen ;-).

In dem Fell bleiben alle Energien stecken, die zum Beispiel für Sie aggressiv daherkommen oder die ablehnend und feindselig sind.

Übrigens können Sie selbst festlegen, was das Fell durchlässt oder nicht!

Und wie gehen Sie praktisch vor?

Sie können in Ihrer Vorstellung ganz konkret mit den langen Bärenstiefeln anfangen, dann folgt die Bärenhose, das Bärenwams und so fort bis hin zu den Bärenohren, die auch sehr wichtig sind, um bei verbalen Attacken gelassen zu bleiben. Sie können sich aber auch das Bärenfell einfach aus Ihrer Haut wachsen lassen, das geht schneller und fühlt sich übrigens sehr bärig und gemütlich an. Probieren Sie es aus. Vielleicht hat das auf andere Menschen auch eine kuschelige Wirkung. Dafür keine Garantie.

Und vor allem probieren Sie es rechtzeitig aus, damit es dann klappt, wenn Sie es brauchen! – Wie fühlen Sie sich, wenn Sie den Bärenpelz angezogen haben?

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